Blech zum Abschluss

Im 9. St.-Marien-Sommerkonzert spielte sich „emBRASSment“ aus Leipzig in alle Ohren

Es ist ja ganz erstaunlich, was man in Kirchen inzwischen spielen darf und - kein Mensch nimmt Anstoß daran! So ließ im 9. und letzten St.-Marien-Sommerkonzert das Blechbläserquintett „emBRASSment“ aus Sachsen geballte Spielfreude von der Leine und verabschiedete sich mit der Titelmusik der Olsenbande. Bravo!

Die Instrumentalisten sind in diesem Landkreis keine Unbekannten. Lukas Stolz, Christian Scholz (Trompeten), Jakob Knauer (Horn), Lars Proxa (Posaune) und Nikolai Kähler (Tuba und Moderation) sorgten mit ihren Auftritten stets dafür, dass das Publikum ein Konzert mit Glanz erlebte.

„Nordbetont“ titelte das Programm diesmal und was die Musiker boten, entwaffnete jedes Argument, Blech tauge nur für Geschmetter! Und eigentlich lässt sich an dieser Stelle nur wiederholen, was schon anlässlich des Konzerts vor sechs Jahren (auch damals das Finale des Sommers in St. Marien) zu lesen stand: Vom ersten Tone an war deutlich, dass hier fünf Musiker zusammen musizieren, die auf einen kollektiven Mehrwert aus sind, niemals auf Solo-Profilierung. Die Ensemblemitglieder beherrschen alle Töne: den fröhlichen Blechradau ebenso wie das wunderbar sanfte Legato, das ideenreiche Arrangement, zarte, blütenreine Glissandi, Vitalität durch Kontur und Gestik. Erstaunlich, welch großartiges Klangtableau diese fünf Instrumente erstehen lassen können.

So hatten die Gäste die Ouvertüre des „Elfenkönigs“ (Elverhoj) von Friedrich Kuhlau im Programm. Jeder Fan der Filme um das skandinavische Gaunertrio weiß, dass sich Egon, Benny und Kjeld zu dieser Musik durch die Katakomben des dänischen Opernhauses sprengen („Die Olsenbande sieht rot“ -1976). Wahrscheinlich ist das überhaupt eine der gelungensten Streifen überhaupt. Und so stand es klar vorm Auge des Zuhörers, zu welchen Noten die Bretterwand, die Ziegelmauer und der armierte Stahlbeton fallen. Na gut, nur fünf Bläser hätten die letzten Detonationen wahrscheinlich nicht so leicht zu übertönen gewusst…

Der Auftritt von emBRASSment war übrigens ein Bonuskonzert für die St.-Marien-Musikgemeinde: Ein Geburtstagsjubilar schenkte ihr diesen Auftritt inklusive eines Workshops für den Posaunenchor Oldenstadt, dessen Mitglied er ist. Einige Bläser dieser Vereinigung durften dann am Anfang auch mit auf der Bühne stehen und „Everybody needs somebody to love“ intonieren. Was für ein schönes Ergebnis kulturellen Engagements und finanziellen Einsatzes.

Eigentlich kommen ja sonst nur bei Wagner die Bläser in großen Mengen nicht zu kurz. Vielleicht ist die ansonsten eher stiefmütterliche Behandlung ein Grund dafür, dass es in den letzten Jahrzehnten immer mehr Blechbläser jenseits des Jazz versuchten und wagten, ihre Instrumente - quer durch alle Musikliteratur - populärer zu machen und sich zu kleinen Ensembles zusammenzuschließen.

Und emBRASSment entwaffnet sowieso jedes Gegenargument, weil das Ensemble die hohe Kunst des Blechs beherrscht, als gäbe es den Schrecken eines jeden Orchesters in Form von quiekenden Hörnern oder hysterischen Trompeten nicht! Kein eingetrübter Ton, kein rauer Hauch. Glanz in treffenden Nuancen und Farben, Eleganz und Lakonik des Ausdrucks. Die Stimmungs- und Klangwechsel zwischen Kuhlau, Grieg und Abba-Partituren machten den Abend musikalisch aufregend.

Die Akteure bewegten sich souverän in allen Tönen. Es war ein exquisiter Musikabend, der die emotionale Wucht der kleinen Form entfaltete. Kundig wie humorig moderiert vom Mann an der Tuba. Für den reichlich gespendeten Beifall hatte das Publikum genügend gute Gründe.

Und wie sagte Kantor Erik Matz, um eine Einschätzung der Konzertreihe gebeten, es so treffend: „Es hat so gut getan in diesem Jahr.“ Es tat gut, Livemusik zu hören, ein diszipliniertes Publikum und couragierte Helfer zu erleben. Und die Besucherzahlen lagen trotz aller Coronabeschränkungen im oberen möglichen Bereich. Dafür ein zweites Bravo und einen großen Dank!

Barbara Kaiser – 07. September 2020

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