Blech zu viert

St. Marien-Sommerkonzert: OPUS 4 spielte sich durch Barock- und Jazznoten

Das vierte St. Marien-Sommerkonzert sah mit 134 Gästen einen Zuschauerrekord! Vielleicht waren die Gäste auf der Suche nach ein wenig Kühle? Wahrscheinlicher aber, dass sie das Ensemble „OPUS 4“ aus Leipzig schon kannten und wussten: Mit dessen Mitgliedern passiert musikalische Unterhaltung der besten Art und auf höchst professionellem Niveau.

Unter dem Namen, der sonst die Werke von Komponisten nummeriert, spielen seit genau 25 Jahren vier Herren. Jörg Richter und Dirk Lehmann sind noch die Gründergeneration, Hans-Martin Schlegel und Stephan Meiner waren Studenten bei Richter an der Hochschule für Musik Leipzig. Man weiß also, was man voneinander zu halten hat, dass man sich verlassen kann.

Fotos: Barbara Kaiser

„Von Bach bis Gershwin“ titelte das Programm der vier Posaunisten. Sie hätten es „gewagt und versucht“, so Jörg Richter vor 13 Jahren in seiner Moderation in Medingen, dieses Instrument, das im Orchestergraben so oft zu kurz kommt, populärer zu machen. Dass sie in Uelzens Hauptkirche nun das bereits 1145. Konzert spielten, sollte dafür sprechen, dass der Plan aufging.

Jörg Richter

Was „OPUS 4“ bot, entwaffnete jedes Gegenargument! Kein eingetrübter Ton, kein rauer Hauch. Glanz in treffenden Nuancen und Farben, Eleganz und Lakonik des Ausdrucks. Die Stimmungs- und Klangwechsel machten den Abend musikalisch aufregend. Spielte das Quartett anfangs auf im vogtländischen Musikwinkel (Markneukirchen) nachgebauten Barockposaunen Monteverdi und eher unbekannte Komponisten des 16. Jahrhunderts, wechselten sie später zum im Orchester üblichen Blech.

Hans-Martin Schlegel

Zu beklagen sei, sagte Richter, der auch dieses Mal durchs Programm führte, dass eigentlich viel zu wenige Stücke für das Blasinstrument geschrieben wurden. Hätte beispielsweise auch Bach von dessen Vielfalt gewusst, die eine Posaune zu entwickeln in der Lage ist, er hätte mehr für sie komponiert – darüber war sich das Quartett einig.

Ein Glanzpunkt und atemberaubender Höhepunkt des Programms waren ohne jeden Zweifel Toccata und Fuge in d-moll (BWV 565). Scheinbar ohne Anstrengung, nirgendwo Bläserbrei und in einer Kongruenz, die staunen machte! Das kann nur die Orgel schöner – naja, ein bisschen.
Die Akteure beherrschten alle Töne: den schmetternd-fröhlichen Blechlärm in Dur ebenso wie das Largo in Moll und obendrein Legato. Zarte, blütenreine Glissandi, Vitalität durch Kontur und Gestik, von Ideen überquellende Arrangements. Und nicht erst mit „Alexander`s Ragtime Band“ von Irvin Berlin hatten die Instrumentalisten das Publikum auf ihrer Seite.
Von der Leine gelassen waren da überbordete Fröhlichkeit, Leichtigkeit und Spielfreude, gepaart mit virtuosem Handwerk.

Gershwins Noten danach, summiert zu einem „Portrait für vier Posaunen“, von der „Rhapsodie in Blue“ bis zum „Summertime“ aus „Porgy and Bess“, bildeten den Abschluss eines Abends, der die emotionale Wucht der kleinen Form entfaltete. Für den reichlich gespendeten Beifall hatte das Publikum genügend gute Gründe. Und natürlich hatten die vier Musiker Zugaben im Gepäck; eine das „I want to be in America“ aus Bernsteins „Westside Story. Chapeau!

Am Samstag, 03. August 2019, um 16.45 Uhr, sitzt Kantor Erik Matz an der Orgel; er spielt zum Thema „Lehrer und Schüler“.
Barbara Kaiser – 29. Juli 2019

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