„Auf, preiset die Tage“

Motettenchor Bardowick und die Sinfonietta Lübeck überzeugten mit Bachs Weihnachtsoratorium in der Klosterkirche Ebstorf

Es ist keineswegs so, dass man das Weihnachtsoratorium in dieser Jahreszeit zwei Mal hören muss. Schön trotzdem, dass es im Landkreis zwiefach Gelegenheit dafür gab:
Es erklang traditionsgemäß am dritten Advent in St. Marien mit der dortigen Kantorei unter der Leitung von Erik Matz. Und nun wieder, „zwischen den Jahren“, was der Widmung des Werkes, das von Bach  für nach dem Heiligen Abend, die schönste Zeit des Kirchenjahres, komponiert und aufgeführt war, näher kommt. In der Ebstorfer Klosterkirche musizierten der Motettenchor Bardowick, die Sinfonietta Lübeck und Solisten unter der Leitung von Birgit Agge.

Die Akustik ist wirklich bemerkenswert schön in diesem Gotteshaus, dafür lässt die Sicht, sitzt der Zuhörer rechts im Seitenschiff, natürlich zu wünschen übrig. Aber man kommt ja wegen der Musik. Chor und Orchester hatten sich hinter der Kanzel und vor dem Altar platziert, um alle Sitzplätze in der an diesem Abend sehr gut gefüllten Kirche zur Verfügung zu stellen.

Ein schlagkräftiges „Jauchzet, frohlocket!“ – und die Geschichte von der Geburt Jesu nahm ihren Lauf in den Kantaten I bis III. Birgit Agge forderte von ihren Sängern ein energisches „Lasset das Zagen, verbannet die Klage“. Der Chor war ungeheuer agil, schön in der Phrasierung und voller entschiedener Kraft. Fröhlich jauchzend und besänftigt fragend, in allen Stimmen verlässlich und homogen.

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Birgit Agge, Leitung              Fotos: Barbara Kaiser

Agge setzte und schuf mit ihrer Interpretation die Effekte, die Johann Sebastian Bach so wichtig waren. Effekte des Staunens, der Ehrfurcht, des Jubels natürlich. Energisch trieb sie ihre rund 40 Ensemblemitglieder zu Höchstleistungen. Befürchtete man anfangs wegen ihrer doch geringen Anzahl, deren Kraft würde nicht ausreichen, blieb am Ende nur, den Irrtum zu erkennen und einzugestehen. Stimmlich geschmeidig ohne zu dröhnen waren diese Teile des Konzerts klar artikulierte Beredsamkeit, überzeugte der Chor mit Akzenten und Fülle.

ebstorf-wo-motettenchor-bardowick2_bearbDazu kam mit dem Orchester ein Klangkörper von respektabler Kondition und wunderbaren Sololeistungen vor allem im Holz, in den Trompete natürlich, aber auch bei Flöte und Violine. Die Lübecker nahmen das Werk mit Furor, spielten kontrastreich und mit lustvoller Zuspitzung dieser bilderreichen Musik.

ebstorf-wo-trompeten-sinfonietta-luebeck_bearbKeineswegs Schwachpunkt - die Solisten. Ulrike Maria Maier (Sopran), Ute Weitkämper (Alt), Julian Rohde (Tenor) und Bernd Leo Treumann (Bass), letzter erst am Vortag eingesprungen für den erkrankten Roman Grübner, meisterten die charakteristischen barocken Koloraturen voller Tücken, in denen zuerst der Text auf der Strecke bleibt und viel zu oft mühsam forcierte Höhen Leichtigkeit verhindern, sehr respektabel.
Der jugendliche Tenor, stimmkräftig und zart höhensicher, kam auch in der schwierigen Arie nicht in Luftnot. Die zwei Frauenstimmen zeigten sich flexibel und forcierten selten. Der Bass bewältigte das „Großer Herr, o, starker König“ auf anerkennenswerte Weise.

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Ulrike Maria Maier, Sopran und Bernd Leo Treumann, Bass

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Ute Weitkaemper, Alt

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Julian Rohde

Nur in manchen Lagen fiel es den Solisten schwerer, akustisch auch in die letzten Reihen vorzudringen, weil das Orchester immer recht prominent musizierte. Ein bisschen mehr Piano von dieser Seite hätte dem sofort abgeholfen.
Die nach der Sanierung in neuem altem Glanz erstrahlende Klosterkirche war würdiger Rahmen für ein erlesenes, stimmungsvolles Musikerlebnis. Seine zahlreichen Zuhörer sollten den Schwung und  die Zuversicht mit nach Hause genommen haben. Und übermorgen mit ins neue Jahr!
Barbara Kaiser – 29. Dezember 2016

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