Alte Bekannte, neue Namen

Das Neue Schauspielhaus resümiert und schaut voraus

„Wir hatten uns nicht so viel vorgenommen“, sagt Cornelia Bettlewski, zweite Vorsitzende des Vereins zur Förderung der Kunst im Kreativen Speicher, „wir wollten erst mal sehen, schaffen wir das?“
Nach dem Tod von Reinhard Schamuhn vor eineinhalb Jahren gab es zwei Möglichkeiten: Aufhören oder Weitermachen. Die Türen zuschließen, die Tore dieses kleinen Häuschens an der Rosenmauer mit der alten Stadtmauer-Bausubstanz, das sich über die Jahre schon oft als ein Fass ohne Boden erwies…
Natürlich wollte das keiner. Aber Idealismus allein heizt keinen Saal, bezahlt keine Telefonrechnung und schon gar nicht die Künstler, die oft genug selbst in prekären Verhältnissen zu leben gezwungen sind in diesen Zeiten, die zuallererst an Kulturausgaben zu sparen bereit sind.

Nein, an der Rosenmauer haben sie weiter gemacht. Allein das verdient Respekt. Viele altbekannte Schauspieler und Sänger spielten ohne Gage; Reinhard Schamuhn zu Ehren und für ein treues Publikum.
Jetzt ist die Schonzeit vorbei. Wie viel Solidarität mit dieser kleinen Kleinkunstbühne, die oft großes Theater bot, wird das Uelzener Publikum aufzubringen  bereit sein in den folgenden Jahren? – Reinhard Schamuhn, das verrückte Huhn, der unermüdliche Theaterdirektor, starb im Juli 2013. Nach dem ersten Schock, der großen Betroffenheit und der Absage der damals anstehenden Veranstaltungen machte man sich auf, organisierten Ehrenamtliche um Jens Kuntze und Cornelia Bettlewski einen Spielplan 2014. Das erste Halbjahr 2015 steht ebenfalls.

Bis zum 31. Dezember 2014 werden an der Rosenmauer 25 Veranstaltungen stattgefunden haben, neun davon waren noch Benefizauftritte der Künstler. Bis zum 4. Oktober blieb die Besucherzahlzählmaschine bei 1364 Gästen stehen. Das ist beachtlich, weil sieben Veranstaltungen noch folgen werden bis Silvester:

07. November, 20 Uhr: Dia-Vortrag „Grenzenlos“ mit Jürgen Ritter.
23. November, 16 Uhr: „Pipi Langstrumpf“ mit Sarah Kattih und Matthias Brommann.
29. November, 20 Uhr: Weihnachtsprogramm mit dem Gitarristen Harald Wollenhaupt.
02. Dezember, 20 Uhr: Zu Gast die Big Band Bad Bevensen.
07. Dezember, 16 Uhr: Das Duo „SchwarzBlond“ mit seinem Weihnachtsprogramm.
20. Dezember, 20 Uhr: „Bidla Buh“, die musikalischen Clowns aus Hamburg.
31. Dezember, 20 Uhr: „Bittersüß“ mit der „Dreigroschenoper“ und Musik bis Mitternacht.

„Wir sind zufrieden“, resümiert Bettlewski, um zu ergänzen, dass man im neuen Jahr ein breiteres Spektrum anvisiere. „Wir wollen Lesungen anbieten und mehr für Kinder“, heißt das beispielsweise. Auch Kabarett und/oder Comedy werden im Programm stehen. Wahrscheinlich kam das seit den legendären, Stunden dauernden Dietrich-Kittner-Auftritten wirklich zu kurz. Und: „Wir wollen uns bemühen, die Künstler zu wechseln“, ist noch eine Botschaft aus dem Neuen Schauspielhaus. Altbekannte werden wiederkommen, keine Frage. Aber nicht jährlich.

Und so hat das Programm des ersten Halbjahres 2015 neue Namen und Gäste, die noch nie an der Rosenmauer auftraten. Das Duo Kandidel kennt vielleicht so mancher aus dem Arboretum, am Samstag, 3. Januar 2015, 20 Uhr, vertreibt es eventuelle Silvesterkater in Schamuhns alten Mauern. Die Gruppe „Aufwind“ aus Berlin kommt wieder mit wunderbarer Klezmer-Musik im Gepäck (9. Januar). Professor Hans-Helmut Decker-Voigt wird aus seiner Familiensaga, seinem neuen Roman, lesen (24. Januar).
Ganz neu im Programm: Pantomime! Dieses Sprechen ohne Worte, allerdings zu Musik, praktiziert Jango Erhardo (7. Februar). Es gibt einen Samba-Abend (7. März) und russische Zigeunermusik (27. März). Jörn Brede erinnert an Heinz Erhard (25. April) und Anny Hartmann verspricht politisches (!) Kabarett (9. Mai).

Bereits das erste Halbjahr 2015 hat 19 Veranstaltungen auf dem Plan. Jetzt ist es am Publikum, das Neue Schauspielhaus neu zu entdecken. Reinhard Schamuhn würde sich freuen! - Übrigens hat Cornelia Bettlewski an ihren neuen Privatwagen, ein französisches Elektroauto, die Werbung, das neue Logo, des Theaterchens anbringen lassen. Es ist eine strahlende Sonne, ein Detail aus der Wandgestaltung á la Hundertwasser der Außenfassade an der Rosenmauer. Das faszinierte sogar die Polizei, die das Auto aus dem einzigen Grund anhielt, um es einmal genauer anzuschauen! Wenn das kein gutes Omen für den Spielplan ist?

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