Alles in allem? Vieles auf jeden Fall!

Petra Vollmer stellt bis 8. November Arbeiten in der BBK-Galerie Oldenstadt aus

Man muss an die Geschichte um die Kölner Heinzelmännchen denken, in der eine neugierige Handwerksfrau die Treppe mit Erbsen bestreute, auf dass die kleinen fleißigen Gesellen den leisen Tritt verlören, durcheinanderpurzelten, sich weh täten, damit sie ein einziges Mal entdeckt würden. Wie das ausging, wissen wir – die Menschen mussten ihre Arbeit von da an wieder selber erledigen.

Selbstbildnis

Die Installation, für die Petra Vollmer im Gespräch ein „Mixed Media“ findet, ihr aber für die Ausstellung keinen Titel gab, kann man auch so verstehen: Natürliche Materialien, hier Walnussschalen, wurden auf einem stark vergrößerten Wasserwellenbild verstreut. Wir können, wenn wir nicht achtsam umgehen mit den von der Natur geschenkten Ressourcen, ins Wanken kommen. Die Erde erzittert schon unter unserer Gedankenlosigkeit, wann werden wir es endlich realisieren?

Übersicht

Petra Vollmer zeigt neueste Arbeiten. Die frisch gebackene BBK-Vorsitzende fasst unter dem Titel „Allesinallem“ Malerei und Installationen zusammen. Mit den Bildern, ob zwei- oder dreidimensional, die einen Bezug zu unserer Umwelt, zur Gesellschaft haben, denkt die Künstlerin immer den ökologischen Aspekt mit.

Wa(h)re Person

Zu sehen sind auch Tuschezeichnungen, die tagebuchartig Gesehenes, Gefühltes und Geträumtes auf einen kurzen Nenner zu bringen suchen. Jedes Motiv ist eine knappe Formel, beispielsweise „Wahnsinnsverkehr“, „Kettensägenmassaker“ oder „zusammen gegen rechts“. Ein Blatt heißt „Wa(h)re Person“: Auf ihm warten Leute in der Einkaufsschlange, diszipliniert den gebotenen Pandemieabstand wahrend. Die auf dem Boden verlaufenden Linien sind Strichcodes, wie sie auf Verpackungen stehen. Sie stehen und warten – werden sie selber zur Ware? Für die Supermärkte sind sie kalkulierte Profitgröße.

Eigentlich sollten diese Zeichnungen eine Art Stoffsammlung werden, aber dann haben sie sich verselbständigt und besitzen jetzt eine eigene Aussage. Die Künstlerin versucht dabei eben auch, sich in der zunehmend digitaler werdenden Welt zu verorten. Obwohl wir doch alle wissen, dass Gefühle wie Angst, Hunger, Verlassenheit sehr real sind.

Auch auf dem den Raum dominierenden Bild mit dem Titel „Der Kuchen“ gibt es Warencodes. Sie sind aber verändert und führen somit nicht dorthin, woher sie eigentlich genommen wurden. Deshalb muss man sich selber ein paar Gedanken machen darüber, dass zehn Menschen um einen Tisch sitzen - der von Weitem einer Erdkugel nicht unähnlich ist - und den Kuchen (ver)teilen müssen. Er wird nicht für alle reichen, das ist zu sehen. Dieses Bild ist der beeindruckendste Beitrag zu Vollmers Credo, das für sie „Kunst ist Kommentar“ heißt.

Petra Vollmer

Am morgigen Samstag, 24. Oktober 2020, öffnet die Ausstellung um 17 Uhr mit der Vernissage im Langhaus Oldenstadt. Zu sehen sind die 33 Tagebuch-Tuschezeichnungen, die größeren Formate und die Installationen bis zum 8. November 2020 in der BBK Galerie Oldenstadt, immer samstags und sonntags von 11 – 17 Uhr.

Barbara Kaiser – 23. Oktober 2020

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