Alles Barock

Das Ensemble „Concerto Giovannini“ erzählte und musizierte im fünften  St.-Marien-Sommerkonzert zu  „Luther & Bach“

Sieht man einmal von der Orgel ab, sind die Instrumente des Barock ja eher die Bettvorleger neben Löwe und Tiger; dem Klavier eines Beethoven und Liszt, dem Orchesterrauschen der zwei Richarde Strauss oder Wagner. Und was wäre solch Kastratenstimmchen gegen Ochs von Lerchenau und Walter von Stolzing? Wie ändert sich doch der Geschmack.

Im fünften St.-Marien Sommerkonzert jedoch gab es Bettvorleger. Pardon. Das Ensemble „Concerto Giovannini“ war zu Gast, und Sabina Chukurova spielte das zerbrechliche Cembalo, Johanna Oelmüller Rasch strich und zupfte die Viola da Gamba. Tabea Höfer war an der Violine zu erleben und Karsten Henschel komplettierte als Altus  (Countertenor) das Quartett.

Auf dieses Wochenende fiel übrigens der Todestag Johann Sebastian Bachs. Nein, kein runder – was hätten wir sonst zu feiern. Aber der 267. In der Leipziger Thomaskirche standen die A-Dur-Messe und ein Choral auf dem Gedenkkonzertprogramm, das es seit vielen Jahren gibt. In St. Marien Uelzen ging es natürlich wieder um Luther. Aber: Wenigstens durften Komponisten die Noten dazugeben und da kommt man um den großen Bach nicht herum. Sowieso steht man immer wieder sprachlos davor, wie modern dessen Musik daherkommt. Deshalb hier noch einmal die Wiederholung seiner Todestag-Zahl: 267!

Es können wieder rund 90 Zuhörer gewesen sein, die den Weg fanden zur nun schon Halbzeit der diesjährigen Reihe. Und als „Ein feste Burg ist unser Gott“ das Ende der 60 Konzertminuten ankündigte, hatte sicherlich jeder Zeit für Besinnung gefunden. Gewürzt mit Anekdoten um den Reformator, beispielsweise über seine übereifrige Beichttätigkeit oder seine Einstellung zur Trunkenheit, waren es die leisen Töne gewesen, die zur Einkehr riefen und Stille suggerierten.

Ein schönes Preludio aus der Partita Nr.3 E-Dur für Violine solo (BWV 1006) schwebte von der Empore. Nicht ganz reinstraumtauglich, aber engelsgleich und mit Verve. Ein Stück Trisonate Nr. 4 e-moll (BWV 528) brachten Violine, Viola da Gamba und Cembalo zu Gehör.

Den ersten Satz aus langsamer Einleitung und Fuge verwendete Bach bereits in der Kirchenkantate „Die Himmel erzählen die Ehre Gottes“ (BWV 76). Es kam ja öfter vor, dass der Meister sich selber zitierte. Eine interessante Lösung war der Choral für Orgel „Christ unser Herr zum Jordan kam“, dessen Stimmen das Quartett unter sich aufteilte. Ausgerechnet das Pedal bekam der Altus überschrieben.

Karsten Henschels Gesang fehlte mitunter der nötige Schalldruck. Jedenfalls bis zur letzten Reihe! Die höchsten Töne benötigten manch brachialen Aufschwung, da geriet die Stimme in die Nähe angestrengten Übersteuerns. Und das Textverständnis ließ doch auch ziemlich zu wünschen übrig. Seine Instrumentalisten-Kolleginnen musizierten weitgehend konform; das Cembalo manchmal ein wenig prononciert.

Insgesamt bot das fünfte Sommerkonzert für Zuhörer, die diese Art der Musik mögen, Zeit zum Atemholen. Nächste Woche, am 5. August 2017, wird es wieder lauter, lebhafter und zupackender: Zu Gast die Bläser von „emBRASSment“ aus Leipzig. Das verspricht Blechradau vom Allerfeinsten!

Barbara Kaiser – 30. Juli 2017

 

 

 

 

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