Achtung Tiefflieger!

Ein Besuch im größten Vogelpark der Welt in Walsrode

Der Anden-Kondor heißt Macho – ob er auf seinen Namen hört, sei dahingestellt. Aber wenn einer eine Flügelspannweite von mehr als drei Metern hat, dann darf er auch solch protzigen Namen tragen! Auf jeden Fall ist Macho ein faszinierendes Tier, in der Flugschau versucht es erst gar keiner der Tiertrainer, ihn auf dem Unterarm landen zu lassen. Kein Wunder bei 15 Kilo Lebendgewicht. So bewahrt sich der Vogel eine gewisse Art der Unantastbarkeit. Stolz und schön!

Vogelpark Mutter und Kind_berab

Fotos: Barbara Kaiser

Der Besuch im Weltvogelpark Walsrode lohnt gerade im Frühjahr besonders. Da plantschen die kleinen Enten im Wassergraben – es sind wohl freiwillige Bewohner – und es lassen sich rührende Szenen beobachten, wie Altvögel sich um ihren Nachwuchs mühen.
Auf 240 000 Quadratmetern leben 4200 Vögel aus 675 Arten. Vom Kolibri bis zum erwähnten Kondor. Gefiederte Erdenbewohner, oft genug bedroht, wie beispielsweise die Harpyie, der das Abholzen der brasilianischen Regenwälder zum Verhängnis wird.

Vogelpark Storchenfamilie_bearbIn mehr als 50 Jahren (Jubiläum 2012) entstand aus einer privaten Hobbyzucht für Fasanen und Wassergeflügel eine international geachtete Instanz für Aufzucht- und Schutzprogramme. „Nur was man liebt, das will man auch schützen“, wissen die Mitarbeiter des Parks, die die Flugshow gestalten oder die Greifvögel und die Pinguine vor Publikum mit zahlreichen interessanten Erklärungen füttern.

Vogelpark Fußgänger in der Tropenhalle_bearb
Die Flugshow ist eine humorvolle Reise um die Welt, zwischen Südamerika, Australien und Europa. Da nimmt sich die heimische Eule winzig aus gegen Kondor Macho. Da wird demonstriert, wie die reichen Scheichs im fernen Arabien ihre Falken für die Jagd abrichten. Und da freuen sich Geier und Seeadler, mal aus den Volieren herauszukommen und segeln im Tiefflug über die Köpfe der Zuschauer, sodass die den Luftzug spüren. In der Tropenhalle trifft man farbenfrohe, flugunfähige Fußgänger. Gellende Rufe hallen durch den Urwald, nur die Schreie der Affen fehlen.

Vogelpark Pfauenmann_bearbMan kann jedem Vogel etwas abgewinnen. Den putzigen Aras, den wunderschönen Perlhühnern, den Kranichen sowieso. Im weiten Parkareal, wo derzeit die Rhododendren erblühen, tirilieren die heimischen Sänger: Buchfink, Amsel, Meisen, Dompfaff.
„Der stumme Frühling“ – wäre es nicht eine furchtbare Vorstellung? – ist hier im Vogelpark kein Begriff, der einem einfiele. (Das gleichnamige Sachbuch publizierte Rachel Carson  bereits 1962) Aber scheint es nicht im heimischen Garten in diesem Jahr auffällig stiller zu sein? Es blieben auch Nistkästen unbesetzt, wo doch sonst Wohnungsnot herrschte, weshalb mein Mann und ich im letzten Herbst noch zwei Häuschen aufgehängt hatten. Leerstand!

Vogelpark Eule_bearb

Man kann über Tiergärten und auch über den Vogelpark denken, was man will; auch in Walsrode scheinen manche Volieren, vor allen die der Greifvögel, zu klein für die stolzen Segler der Lüfte – für den Umwelt- und Artenschutz jedoch leisten diese Einrichtungen eine Menge. Weil wir Menschen eben trotz aller Versicherungen und Vorhaben anscheinend unsere Mitgeschöpfe in der freien Wildbahn zu beschützen nicht in der Lage sind. Dieser Gedanke sollte jeden verfolgen. Nicht nur den Vogelfreund.
Barbara Kaiser – 18. Mai 2017

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