Abendlieder

Das Leipziger Vokalensemble „Hexachord“ sang in St. Marien Veerßen

„Hexachord“ klingt ein wenig nach Hexe, dabei hat das Ensemble nur zwei Frauen: Merle Hillmer (Sopran) und Lea Vosgerau (Mezzo). An ihrer Seite stehen Tobias Schneider (Altus), Sebastian Seibert (Tenor), Benedikt Kantert (Bariton) und Thomas Stadler (Bass). In der Summe ergeben sie sechs – hexa – Töne, die einen Akkord – chord – bilden. Meist waren es leise, bedenkende und melancholische Töne.

Die Mitglieder des jungen Vokalensembles aus Leipzig studieren Kirchenmusik (Sopran, Mezzo, Altus, Tenor) und Chor- und Ensembleleitung (Bariton und Bass). Merle Hillmer, in Uelzen geboren, verdanken sich sicherlich die Auftritte in St. Marien Veerßen, in Celle und Hankensbüttel. – Ziemlich genau 125 Zuhörer waren in das Veerßer Gotteshaus gekommen, sogar ein kleiner Terrier verfolgte entspannt in seiner Hundetasche die Darbietung, die keinen Anlass zum Jaulen gab.

Fotos: Barbara Kaiser

Unter dem Titel „Bleibe, Abend will es werden“ sang „Hexachord“ Musik aus Renaissance (Palestrina), Barock (Schütz und Bach) und Romantik (Mendelssohn, Schumann, Brahms); setzte aber auch moderne Noten (Simon & Garfunkel) und Volksliedgut - neu arrangiert - um.

Die sängerische Qualität der Gäste aus Sachsen war unantastbar. Auch wenn der Sopran stets ein wenig prominent, dafür aber engelsgleich, über allem schwebte. Vermissen mochte man die schwarze Tiefe im Bass und die Strahlkraft im Tenor. Absolut textverständlich jedoch, mit biegsamem Wohlklang, stimmkräftig und mit nahezu lupenreinen Einsätzen kannte die Darbietung kaum Schwäche. Über eine sichere Intonation muss man hier nicht extra schreiben – schließlich sangen ProfimusikerInnen.

Bendikt Kantert und Thomas Stadler.

So besaßen die Noten in der Interpretation ohne jeden Zweifel die Ausgewogenheit, an der man A-capella-Gesang misst, erklangen aber oft im Duktus von ergebener „Erbauungsliteratur“, wo man sich mehr Kraft und Entschlossenheit gewünscht hätte. Beispielsweise „saust die geschäft`ge Welt“ in Eichendorffs „Abschied vom Walde“ wenig dramatisch, bleibt das „Auf, auf, ihr sollt beginnen“ in Paul Gerhardts „Nun ruhen alle Wälder“ ohne echte Aufforderung. Aber das sind Dinge, die Erfahrung ein Ensemble lehren kann und wird.

Tobias Schneider und Sebastian Seibert.

In schöner Homogenität dargeboten „The Sound of Silence“, ohne Fehl Einsatz und Phrasierung. Mit Empathie und Inbrunst, die Textpoesie beglaubigend „Dat du min Leevsten büst“. In einer sehr aufregenden und interessanten, obgleich gewöhnungsbedürftigen musikalischen Variation von Gregor Meyer (*1979).

Merle Hillmer und Lea Vosgerau.

Als wunderbarste Ergänzung spielte Merle Hillmer auf der Orgel Präludium und Fuge g-moll von Johannes Brahms. Recht kühn und schnell das Ganze, vielleicht das Präludium ein bisschen überhitzt, die Fuge besonnener.
Nach Hause geschickt wurden die Zuhörer mit „Mr. Sandman“, dem bekannten Schlager aus dem Jahr 1954 von Pat Ballard, mit „Die Vögelein, sie schlafen“, das ein sehr schönes Tenor-Solo inkludierte und dem Titel-Song des Programms „Bleibe, es will Abend werden“ op. 36, Nr. 2 von Albert Becker.

Merle Hillmer an der Orgel.

Die Sängerinnen und Sänger beherrschten das Synchrone auch in den Synkopen des Jazzigen wie aus einem Guss. Und hier fiel zudem auch ein Mehr am Gestalten der Texte erfreulich auf.
Insgesamt waren die 75 Minuten eine Vorstellung, die den Zuhörer sich zurücklehnen und entspannt auf kommende Herausforderungen blicken ließ. Dafür gab es langen Beifall.
Barbara Kaiser – 12. Mai 2018

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