NARRENMOND

Barftgaans-Kolumne Februar/März 2019

… ist ein alter Name für den Februar, den Monat, in den meist der Karneval fällt. In diesem Jahr narrt er uns bereits darin: Rosenmontag und Fastnacht sind erst Anfang März. Das muss uns als Norddeutsche nicht berühren. Dass uns der Januar zum Narren hielt, schon eher. Der gab sich wenig winterlich – um endlich mit einer angedeuteten Schneedecke, venezianischer Halbmaske quasi, das Antlitz der Erde halbwegs zu bedecken.

An einem dieser „grau-seligen“ Januartage also, noch unschlüssig, was für diese Kolumne zu schreiben wäre, begann ich, den Februar neu zu buchstabieren, anagrammatisch zu lesen. FARBREU las ich als erstes. Passend zum trüben Wetter und der farbarmen Landschaft, bei dem die Bäume barft staan, weder laub- noch schneebeschuht, dazu die graue Wolkendecke, weder gemütlich noch warm. URFARBE erschien mir ebenfalls treffend. Würfe man alle Farben durcheinander, wie die Vegetation im Herbst ihr buntes Laub, ergäbe sich ein schmutziges Braun, auf das der Name wohl zuträfe.

Auch als ABRUFER von Erinnerungen kann der Februar herhalten. So erinnere ich mich eines Trübsal flötenden Amselhahns an nasskaltem Wintertag und des dann entstandenen Gedichts, in dem ich Mitgefühl für jenen äußerte, der nicht wie ich ins nächste Café spazieren konnte. BARRUFE vernehme ich nun übrigens deutlicher als in der warmen Jahreszeit, in der ich vorzugsweise vor den Lokalen sitze.

ABERRUF, REBFRAU, RUFRABE – der Februar hat es in sich. Da fällt mir ein, dass ich lange kein Scrabble mehr spielte.

„Abenteuer“ nannte der türkische Poet Orhan Veli eins seiner Gedichte, in dem er kindliche Entdeckungen beschrieb: „Ich baute einen Drachen, bunt geschmückt, den Schweif in Regenbogenfarben. Zum Himmel ließ ich ihn steigen. Ich sah den Himmel.“ Einen Tag nach Lektüre des Gedichts wehte mir der Hut vom Kopf. Angesichts dreier Augenzeugen hob ich ihn wieder auf und äußerte mein Bedauern, keine Drachenschnur dabeizuhaben. Der Wind „entdeckte“ mein Haupt und ich die Komik darin. Apokalypse heißt Griechisch nichts anderes als Entdeckung, Enthüllung, etwas zum Vorschein bringen. Die eingangs angedeutete Endzeitstimmung sei somit passé.

„Die Märzwinde, die mein Herz tanzen machten“, wie es in Eric Maschwitz´ „These foolish things“ heißt, mögen dies wieder bewirken und heiter stimmen. Auch, wer kein Kind ist oder hat, sei ermuntert, an solcher Art Abenteuer „einen Narren zu fressen“.

It´s Tru[mann]

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