Verliebt. Verlobt. Verlassen?

Neue Kulturorte erleben - mehr als nur aus der Not heraus

Jacqueline Maria Rompa als Daggi Pechstein im Gartencafé Pur Natur

Zu einer satirischen Komödie lud das Gartencafé Pur Natur ein. Karen Willson hat die Gelegenheit beim Schopfe ergriffen, als sie im August die Schauspielerin Jacqueline Maria Rompa kennenlernte, die vor vier Jahren nach Wrestedt zog. Kurzer Hand haben die beiden Power-Freuen sozusagen Nägel mit Köpfen gemacht. Kaum einen Monat später, am 12. und 19. September, durften die Besucher des Garten„theaters“ Pur Natur sich auf eine rasant-emotionale Darbietung des Stücks von Stefan Vögel freuen.

Das Bühnenbild hat Ehemann Florian Rompa gezimmert, so beeindruckend wie einfach, aus Paletten und Kisten kam unter der stattlichen Eichengruppe vor dem Gartencafé die richtige Atmosphäre auf. Das Publikum unmittelbare Beobachter, wie hoch oben in den Baumwipfeln mit freiem Blick ins Baumhaus von unserer Hauptfigur Daggi. Dagmar Pechstein sollte heute eigentlich ihren schönsten Tag des Lebens (ein zweites Mal) erleben. Stattdessen fand sie ein einen Zettel auf der Kommode, als sie aus dem Badezimmer kam, mit der Nachricht: „Ich kann nicht“ – für sie stand fest, zumal der Bräutigam verschwunden war, das war‘s! Sie war sitzengelassen worden. „Das habe ich nicht verdient!“, schluchzt sie, als sie am Seile ihre Bühne, das Baumhaus aus Kindertagen enterte.

Denn, gibt es einen besseren Ort zum Zurückziehen und Wunden lecken, als ein Baumhaus? Nein, sicher nicht. So war die Bühne ideal für Daggis Tripp zurück in die Vergangenheit. Die Männer … ja, sie bekamen ordentlich ihr Fett weg. Die Frau(en) selbst indirekt auch. Überspitzt auf den Punkt gebracht, zauberte sie auf humorvolle Weise allerhand Klischees aus der Theatertrickkiste – samt staubigen Prinzessinnen-Kleid aus der Kindheit, Seifenblasen und Handpuppen, die ihr beim Erzählen des Liebes-Debakels zur Seite standen. Von bissig bis verträumt, von frivol bis wütend schöpfte Rompa die Bandbreite der Gefühle aus, die Frau im Liebeskummer so durchleben kann.

Daggi steigerte sich gerade so richtig rein in ihr Beziehungselend, als die Wendung von unter dem Baume her kam. Tumult. Die Hochzeitsgesellschaft versammelte sich trotz Regens unter der Eiche. Der Bräutigam, sogar der Ex-Mann, der im Rückblick die eine oder andere Delle verpasst bekam.

Daggi konnte es kaum glauben. Was wollen die denn hier? Sich in ihrem Unglück suhlen? Unsere Hauptdarstellerin war noch Tränen verblendet und Wut gesteuert, als die Zuschauer die Wendung schon erahnten. … War da nicht der Satz gefallen, dass DIE 3 Worte mit einem halbleeren Kuli geschrieben wurden, die letzten Buchstaben kaum leserlich? So kam es, wie insgeheim erhofft, denn das hatte Daggi wirklich nicht verdient, doch noch zum Happy End. Denn eigentlich hätten es sieben Worte sein sollen, nicht schicksalsschwere drei. Davon konnte der Bräutigam seine Auserwählte zu guter Letzt doch noch überzeugen: „Ich kann nicht mehr ohne dich Leben.“

Wolfgang Brehm, ehemals Intendant der Landesbühne Hannover, führte Regie und erarbeitete mit Jacqueline Maria Rompa die Umsetzung der Rolle der Daggi Pechstein. Das zauberhafte Ambiente im Abendblicht und die atmosphärische Illumination von Bühne und Theater-Baum-Raum entwickelte ebenfalls Florian Rompa. Die gastfreundliche Bewirtung durch Karen Willson und ihr Team wäre nicht zu vergessen, sorgte sie für ein rundum gelungenen Abend im spontan entstandenen Garten„theater“ in Holdenstedt.

Mit Decken und Punsch lassen sich im Spätsommer noch wunderbar kulturelle Veranstaltungen erleben, ein gutes Beispiel aus der Corona-Not eine Tugend zu machen. Und das war allemal mehr als eine Notlösung und solche Formen des Kulturangebotes an unerwarteten, sich anbietenden Orten, zu ermöglichen, sollte wohl viel mehr eine Tugend werden.

Karen Willson und Jacqueline Maria Rompa

Eva Neuls - 20. Sept. 2020

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