Uelzen ist Ökomodellregion!

Ministerin Barbara Otte-Kinast: „Bio soll auch regional wachsen!“

Immer mehr Verbraucher wollen sich bewusster ernähren und dementsprechend auch einkaufen. Dazu gehört auch, zu wissen, wo ihre Lebensmittel herkommen und wie sie produ-ziert werden. Der Bio-Boom ist ungebrochen, der prozentuale Marktanteil steigt. Dabei müssen Produzenten und Verbraucher viel zu oft auf Zutaten und Lebensmittel zurückgreifen, die nicht aus der Region stammen. Die neuen Ökomodellregionen (ÖMR) sind ein wichtiger Bestandteil für die Umsetzung des vom Land entwickelten „Aktionsplan für mehr Ökolandbau Niedersach-sen“. Dahinter steht das Ziel der Landesregierung, den Anteil an ökologischen Betrieben bis 2025 zu verdoppeln (auf dann rund zehn Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe). „Der Bio-Markt wächst – nimmt dabei aber leider die regionalen Betriebe und Unternehmen oftmals nicht mit. Hier wollen wir mit unseren Ökomodellregionen ansetzen“, so Ministerin Barbara Otte-Kin-ast. „Bio soll auch regional wachsen!“
Der Landkreis Uelzen gehört zu den drei ausgewählten Pro-jektträgern, ebenso die Landkreise Holzminden und Goslar, die mit ihren Konzepten das Niedersächsische Ministerium für Er-nährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (ML) überzeu-gen konnten. Mit bis zu 60.000 Euro pro Jahr wird das Projekt bis Ende 2022 vom Land unterstützt. Auch die Lokale Aktionsgrup-pe der LEADER-Heideregion Uelzen fördert das Projekt mit bis zu 60.000 Euro. Ziel ist die Stärkung des Ökolandbaus und der nachgelagerten Wirtschaftszweige für regional-ökologische Wertschöpfungsketten in der Region Uelzen. Projektträgerin ist die Bezirksstelle Uelzen der Landwirtschaftskammer Nie-dersachsen, die gemeinsam mit engagierten Akteuren aus der regionalen Öko-Wirtschaft das Konzept entwickelt hat. Darun-ter Sönke Strampe, Landwirt mit einem kürzlich umgestellten Biobetrieb, Inke Alsen (Bohlsener Mühle), Jan-Peter Bauck (Ge-schäftsführer der Bauck GmbH) und Eva Neuls (ÖKORegio e. V.).
Gemeinsam wurde über das Konzept nachgedacht, das Team der Regionalentwicklung der Landwirtschaftskammer in Uelzen hat die Ideen ausgearbeitet und zu Papier gebracht. Der Zeitrahmen für die Antragstellung war knapp, aber mit der Kompetenz aller Beteiligten konnte ein tragfähiges Konzept entwickelt werden. Der Projektstart war am 1. April und aufgrund der Corona-Krise fällt auch hier die erste große Auftaktveranstaltung aus, die für Anfang Mai geplant war. Für das Projektmanagement eine Herausforderung, ist doch die Beteiligung der Bio-Akteure und die Aktivierung von Umstellern ein Kernpunkt der Aufgabe. „Nun werden wir zu Beginn eine digitale Plattform ausarbeiten und umsetzen, um auf diesem Wege die Vernetzung voranzutreiben“, erklären Christiane Kania-Feistkorn und ihre neue Kollegin Eva Neuls. „Das Kennenlernen der hier vor Ort aktiven Erzeuger und Weiterverarbeiter wird vielleicht ein bisschen komplizierter, dafür aber sicherlich deutlich intensiver.“ Die ersten Schritte sind eingeleitet und das Projektteam freut sich über Hinweise und Mitteilungen. Biolandwirt Sönke Strampe hat unter anderem den Think-Tank zur Nährstoffversorgung angeregt. Diese Arbeitsgruppe ist eine der ersten, die jetzt ins Leben gerufen werden soll. Christiane Kania-Feistkorn und Eva Neuls haben ihn auf seinem Betriebsstandort in Rieste bei Bienenbüttel besucht. Warum engagiert er sich für die Ökomodellregion Heideregion Uelzen und nimmt sich die Zeit, an der Entwicklung mitzuwirken? „Weil dieses Projekt den Ökolandbau in Niedersachsen und vor allem auch hier im Landkreis Uelzen voranbringen wird. Ich habe 2017 umgestellt und weiß, was für ein Angehen es ist und wie viele Hürden bei der Umstellung zu überwinden sind. Wenn auf diese Weise mehr kreativer Austausch entsteht, können motivierte Mitstreiter gewonnen werden, die einander Hilfestellung leisten und Uelzen zur Ökomodellregion machen. Das wäre für unsere Region nur von Vorteil. Außerdem möchte ich auch andere auf ihrem Weg unterstützen. Mir sind viele Probleme in der Umstellungszeit aufgefallen, zum Beispiel fehlt uns ökologische Viehhaltung in der Region. Ich habe eine Futter-Mist-Kooperation mit einem Viehalter aus Wittingen geschlossen und hätte gerne eine Partnerschaft im Landkreis Uelzen. Mist ist als organischer Dünger äußerst wichtig für den Ökolandbau. Des-halb auch die Idee für den Nährstoff-Think-Tank. Das ist für mich ein wichtiges Thema geworden, über das ich mir bereits Gedanken gemacht habe. Aber mit der Ökomodellregion im Hintergrund kann man das gemeinschaftlich viel besser weiterdenken und realisieren.“ Der Betrieb Strampe aus Bad Bevensen ist alt-eingesessen und etabliert, warum er auf Ökolandbau umstellen wollte, ist ganz einfach: „Zum einen ist es sinnvoll, zum anderen sind unsere Böden gut für den Ökolandbau geeignet und weil ich in der Ausbildung den Ökolandbau kennengelernt habe. Die Kulturvielfalt im Ökolandbau hat mich angeregt und mein Interesse geweckt. Natürlich habe ich darüber nachgedacht, wie der Ökolandbau eine Perspektive für unseren Familienbetrieb sein kann. Immerhin arbeite ich hier die nächsten 30 bis 40 Jahre, dann möchte ich meine Arbeit auch so gestalten, dass ich Lust darauf habe. Das ist meine Motivation. Ich habe Spaß daran Ökolandbau zu betreiben und davon leben zu können. Die Zukunftsperspektiven sind dabei natürlich auch wichtig. Und sehe ich die meisten Möglichkeiten und besseren Chancen im Ökolandbau.“
[Neuls]

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