Schwere Zeiten für Trauernde

Corona erschwert das Abschiednehmen

Einen geliebten Menschen zu verlieren ist immer schwer – im Schatten der Corona-Pandemie ist es für die nächsten Angehörigen zum Teil unerträglich, aber auch für die weiter entfernte Familie, für Freunde, Kollegen und Bekannte aus Vereinen und der Dorfgemeinschaft fehlt die Möglichkeit, Abschied zu nehmen. In unserer Bestattungstradition treffen wir uns eigentlich bei der Beerdigung, um der Familie unser Beileid und Mitgefühl zu bekunden. Danach wird meist zum Kaffeetrinken eingeladen, ein Zusammenkommen mit wichtiger Bedeutung für das gemeinsame Erinnern.
Das Gemeinschaftsgefühl ist nicht zu unterschätzen: Die Familie erfährt dadurch Wertschätzung für ihren Verstorbenen, die tröstend ist. Das gemeinschaftliche Erinnern an den Verstorbenen, die Geschichten, die ausgetauscht werden, zusammen zu weinen, aber auch zu lachen, ist für viele von großer Bedeutung – das alles wird erst vermisst, wenn es fehlt. Die Bestimmungen für die Anzahl der Gäste, die an einer Trauerfeier teilnehmen können, variieren je nach Bundesland oder Inzidenz. „Für Trauernde wird der Ort zum Abschiednehmen in diesen Zeiten wieder wichtiger“, berichtet Susanne Meyn von „Grabsteine Hans-Benno Meyn“ aus Bad Bevensen im Gespräch. „Die aktive Bestätigung an der Grabstelle, aber auch der Friedhof als Ort der Begegnung, hilft Angehörigen bei der Trauerbewältigung.“

In verschiedenen Gesprächen wurde uns berichtet, dass aktiv und kreativ nach Lösungen für die fehlende Nähe gesucht wird. Videoübertragung für entfernte Verwandte und Freunde, Verabredungen für einen Trauerspaziergang auf dem Friedhof mit dem Besuch der Grabstelle. „Eine schöne, ansprechende Gestaltung der Grabstelle unterstützt die Trauerarbeit“, so Susanne Meyn. „Wir merken es insbesondere bei der Gestaltung und den Wünschen zu Grabstein und -mal.“ Aber Bestattungskultur befindet sich auch im Wandel, die Formen und Wünsche ändern sich, sodass Baum- und Seebestattungen zunehmen. Friedwälder sind beliebt, haben aber auch ihre Schattenseiten. Zum einen, was die Dauer der Ruhestätten betrifft, zum anderen aber auch weil es sich bei Bäumen selbst um Lebewesen handelt, deren Zeit begrenzt ist – sowie die Begehbarkeit in den naturnahen Bestattungsformen. Mit Rollator oder Rollstuhl kann der Weg zur Grabstelle schwierig werden. Dieses Bedürfnis nach pflegeleichten und trotzdem schönen, angemessenen Möglichkeiten, zu beerdigen, finden sich vielfach auch auf den hiesigen Friedhöfen, die in den letzten Jahren vielerorts umgestaltet wurden.

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