Mit Muskelkraft Natur erfahren

Förderverein rettet Bahnstrecke Uelzen-Dannenberg

Die Bedeutung der Eisenbahn für die Entwicklung vieler Orte und Regionen lässt sich heute kaum noch ermessen. Als vor fast 100 Jahren, am 15. April 1924, der erste Zug auf der Bahnstrecke zwischen Uelzen und Dannenberg fuhr, bedeutete das für die an der Strecke liegenden Orte in den Landkreisen Uelzen und Dannenberg wirtschaftlichen Aufschwung, stellte die neue Eisenbahnstrecke durch die Anbindung an die Bahnstrecke Wittenberge–Lüneburg auch eine Verbindung mit Mecklenburg her. Durch die Zerstörung der Dömitzer Elbbrücke und die deutsche Teilung verlor die Bahnstrecke ihre überregionale Bedeutung, im Jahre 1975 wurde der Personenverkehr eingestellt, als letzter Güterzug rollte im Mai 1996 der zweite Castortransport ins Zwischenlager Gorleben über die Gleise.

Familie unterwegs mit der Draisine auf der Bahnstrecke Uelzen-Dannenberg

2009 sollte die gesamte Strecke an einen Schrotthändler verkauft werden, dem damals gegründeten Förderverein Ostheide-Elbe-Bahn e.V. gelang es nach zehn Jahren schließlich den überwiegenden Teil der Strecke zu erwerben. Während auf dem westlichen Teil wieder Güterzüge fahren sollen, rollen von Zernien Richtung Dannenberg Fahrraddraisinen, mit denen sich die Elbtalaue aus einer ungewohnten Perspektive erkunden lässt. Gemütlich wie auf einem Fahrrad strampelt man auf den Gleisen und genießt die Landschaft. Das macht Laune und ist einfacher als auf der Straße, weil die Reibung zwischen Rad und Schiene gering ist. Bis zu 40 Personen können so gleichzeitig auf die Strecke – auf zehn Fahrraddraisinen, auf denen jeweils vier Personen Platz haben: zwei sorgen für den Antrieb, zwei können es sich dazwischen gemütlich machen. Höhepunkt ist sicherlich die Fahrt über das „Tor zur Welt“, das 14 Meter hohe Viadukt über die Bundesstraße 191, das als eines der ersten Stahlbetonbauwerke seiner Zeit unter Denkmalschutz steht.

Familie unterwegs mit der Draisine auf der Bahnstrecke Uelzen-Dannenberg
Fotos: www.digitalvisionen.de

Clubs, Vereine, Betriebe und Familien können die Draisinentour zudem mit einer Planwagenfahrt verbinden – oder mit der Einkehr in eines der Restaurants und Cafés an der Strecke.

In den kommenden Monaten wollen die Mitglieder des Fördervereins Ostheide-Elbe-Bahn e.V. die befahrbare Strecke abschnittsweise erweitern. Dazu müssen noch Streckenschäden beseitigt, Bahnsteige und Grillplätze eingerichtet werden. Testen kann man das neue Angebot aber schon jetzt: jeweils sonnabends und sonntags um 10, 13 und 16 Uhr starten die Draisinen vom Draisinenbahnhof an der Alten Schmiede in Zernien. Der Fahrpreis pro Draisine hin und zurück beträgt 28 Euro, Reservierung unter Telefon +49 160 995 433 47.

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