Ein Sommernachtstraum am Winterabend

Schauspielgruppe der KVHS  bringt Shakespeares meist gespieltes Stück auf die Bühne des „Neuen Schauspielhauses Uelzen“

Für einen kalten, ungemütlich  en Winterabend im Februar genau richtig: Ein Sommernachtstraum, der das Publikum warm und wohlig umfing, weil Shakespeares Stück von der Laiengruppe der KVHS mit so viel Herzblut und Begeisterung auf die Bühne gebracht wurde. Die gute Laune, Spielfreude und die amüsanten Dialoge der Schauspieler begeisterten das Publikum. Und vertrieben für 90 Minuten die bei so manchem auftretende Wintermelancholie. Die Dozentin des Kurses, Petra Flindt, hat einmal mehr ein geschicktes Händchen bei der Besetzung des ausgewählten Stücks bewiesen. Nicht nur mit den Stärken der Schauspieler zu agieren, sondern auch ihre vermeintlichen Schwächen positiv in Szene zu setzen, ist sehr gut gelungen.

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Das Stück spielt in einer Stadt im antiken Athen, an der ein verzauberter Wald angrenzt. Das Fürstenpaar will Hochzeit feiern. Von einer der beiden Darstellerinnen als kaum von „seiner“ Zukünftigen lassen könnend präsentiert, ließ Theseus sich milde stimmen, als Egeus seine Tochter Hermia anklagte und er, wenn sie nicht Demetrius heirate, den Tod als Strafe für sie fordern wollte. Trunken vom eigenen Glück ließ Theseus Hermia die Wahl, sich zu besinnen und Demetrius zu heiraten, die Verbannung in ein Kloster oder den eigenen Tod zu wählen. Bis Neumond hat sie Zeit bekommen, die Hermia und ihr Auserwählter Lysander nutzen wollten, um zu fliehen. Hermia vertraute sich aber Helena an, die wiederum in Demetrius verliebt ist. In ihrer Verzweiflung, ihn für sich zu gewinnen, läuft sie hinter ihm her wie ein Hündchen. Er wendet sich von ihr ab und sie beschließt, den Plan zu verraten und hofft, damit endlich die Gunst von Demetrius zu erlangen. Hermia und Lysander fliehen durch den Wald und verirren sich. Die ansonsten brave Hermia erwehrt sich Lysanders Annäherungsversuchen, sodass beide auf getrennten Lagern zur Ruhe kommen und sich anschließend verlieren.

Ein Stück im Stück findet sich mit der geplanten Theateraufführung zur Vermählung von Theseus und mit Hippolyta. Die tieftragische Liebeskomödie von Pyramus und Thisbe soll von einer Handvoll mehr oder weniger begeisterten Schar Handwerkern aufgeführt werden. Eine Glanzrolle für den Darsteller  des Webers, der am liebsten alle Rollen spielen möchte. Mit Inbrunst hat er die verschiedenen Rollen dargeboten, um dann die Rolle des Pyramus ausgesprochen mitreißend auf die Bühne zu bringen.

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Im Wald leben Elfen, Feen und Kobolde – hier beginnt ein weiterer Handlungsstrang des Stückes. Elfenkönig Oberon fühlt sich von seiner Ehefrau, Feenkönigin Titania, betrogen und versucht sich mit Hilfe seines Kobolds und Hofnarren Puck zu rächen. Besonders herausragend hier die Darstellung des Pucks, der mit seinen kleinen Späßchen und charmantem Dialekt seiner Rolle die richtige Würze gab. Der Plan, das Eheweib Oberons der Lächerlichkeit Preis zu geben, ging auf. Mit Hilfe einer Zauberblume sollte Titania verzaubert und dazu verdammt werden, die Person, die sie als erstes erblickt, fortan innig zu lieben. „Komm, Puck, mach schnell, hol mir die Wunderblume, die diesen Saft hat, der mich stets verzückt. Ihr Saft, geträufelt auf geschloss´ne Augen, macht jeden liebestoll und voll verrückt. Wen das betropfte Auge zuerst sieht, in den ist es dann unsterblich verliebt.“ Der Trick glückte und so wurde der egozentrische Weber, auch noch verwandelt in einen lautstarken Esel, zum Objekt ihrer Begierde – eine äußerst amüsante Darbietung der Schauspieler.

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Oberon wollte aber auch die Liebenden von ihrer Qual befreien und mithilfe der Zauberblume Helena und Demetrius zusammenbringen, sodass Hermia und Lysander ebenfalls ein Paar werden konnten. Dieser Plan ging gründlich schief. Statt Demetrius wurde Lysander aufgrund einer Verwechslung („ein stolzer Athener“) verzaubert und erblickte als erstes Helena. Hermia findet die beiden, als ihr geliebter Lysander an Helena hängt. Sie glaubt nicht, was sie da sieht und wird – von ihrer Darstellerin sehr emotional dargestellt - zur Furie. Sie reißt Lysander weg von Helena, er geht zu Boden. Helena wiederum fühlt sich von Lysanders Liebesbekundungen verarscht und meint, dass auch Hermia sie verspotten will. Helena: „Ha! Sie stimmt auch in die Verschwörung ein. Nun merke ich`s: die drei verbanden sich zu diesem falschen Spielchen gegen mich.“ Hermia: „Ich sage dir, ich, ich verhöhn` dich nicht. Doch warum, sprich, warum verarscht du mich?“ Die Szene gipfelt in einen hysterischen, handgreiflichen Streit - von beiden Darstellerinnen mit viel Spielfreude dargeboten.

Zurück zu Titania und ihrem geliebten Esel, dem verzauberten Weber. Titania ist so verrückt nach ihrem Esel, was die Schauspielerin ganz entzückend in Szene setzte. Nachdem sie ihr Eselchen mit Nettigkeiten überschüttet, wird dieser „plötzlich so müde“. Sein Kopf fällt auf ihre Schulter und er fängt laut zu schnarchen an. So gibt auch Titania Ruhe und kuschelt sich an ihn. Es folgt die Auflösung des Zaubers durch Oberon und Puck, die einsehen müssen, dass sie‘s mit ihrer Vergeltung zu bunt getrieben haben.

Nachdem sich alle Wirren durch den richtigen Zauber bei Helena, Hermia, Demetrius und Lysander aufgelöst haben, können endlich die Hochzeitsglocken läuten, und zwar für alle drei mittlerweile glücklichen Paare. Auch das Schauspiel, welches die Handwerker zu Ehren des Fürsten und seiner Gattin einstudiert haben, kommt nun zur fulminanten Aufführung. Hier ist der Pyramus zu sehen, der in seinem Leben keinen Sinn mehr sieht, nachdem seine Thispe vermeintlich tot ist. Nach großem Tamtam und theatralischem Gebaren setzt er seinem Leben ein Ende, indem er sich einen Schwertstoß mitten ins Herz versetzt:  „… Mond scheine bleich, und schaue gleich, jetzt bin ich eine Leich`!“ Nach grausigem Röcheln und dem ersten Zusammenbruch: „Ich lebe noch, was für ein Joch, Tod hol` mich endlich doch, komm Tränenschar! Und Schwert! durchfahr`die Brust des Pyramus! Er sticht zu:  „Nun tot ich bin, der Leib ist hin, war das des Lebens Sinn? Noch jaule ich, schon faule ich.   O Mond, verberge dich!“ Nachdem er Schlucker (der Handwerker, der den Mond spielt) erneut dazu auffordert, sich zu verbergen - weil er offensichtlich seinen Einsatz verpasst hat - stirbt er herzzerreißend. Auch Thispe beschließt, als sie ihn findet, ihrem Leben dramatisch ein Ende zu setzen – röchelnd und hechelnd – sehr zur Belustigung des Publikums, das sich trotz der Dramatik der Szene  kaum einkriegt vor Lachen, und sich mit großem Applaus bei allen Darstellern für die Vorführung bedankt.

 

Kerstin Quednau: Theseus und Löwe

Annika Quednau: Hippolyta und Elfe

Carola Thiel: Philostrat (Diener), indisches Kind und Mond

Wolfgang Krause: Egeus und Wand

Svenja Quednau: Helena

Sandra Hoffmann: Hermia

Volker Kopmann: Demetrius

Burkhard Bartos: Lysander

Sascha Dombert: Pyramus und Esel

Tamara Hayessen: Thisbe

Heike Kuhn: Peter Squenz

Antonio Risquez: Puck

Jaqueline Falke: Oberon

Sabine Freimann: Titania

Marion Hein: Elfe

 

 

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