Rosengang erobert Afrika

Webermeisterin Uschi Schwierske und ihr Erlebnis Tansania

Kilimandscharo – allein sein Name wirkt geheimnisvoll. Bedeutet er nun Berg des Lichts oder Berg der Erhabenheit? Die einheimischen »Wachagga« haben nicht einmal einen Namen für den Berg im Grenzgebiet zwischen Tansania und Kenia. »Kibo, der Helle« nennen sie den berühmten Gipfel. Den schneebedeckten, 5895 Meter hohen Berg hat Uschi Schwierske während ihres Aufenthaltes in Tansania nur kurz vom Balkon aus gesehen – doch der Anblick blieb wie viele andere Eindrücke aus diesem abwechslungsreichen und bunten Land unvergesslich.

Nach ihrem Aufenthalt in Sierra Leone 2013 ist Schwierske im September nach Tansania gereist, um dort neun Teilnehmer, zwei Männer und sieben Frauen, in der alten Kunst des Webens zu unterrichten. »Es ist immer eine unglaublich bereichernde Erfahrung, in Afrika zu unterrichten. Auch wenn – wie in Sierra Leone – die Bedingungen schwierig sind«, sagt Schwierske. Initiiert hatte den Austausch Ines Jensen, die seit 20 Jahren in Afrika lebt und als Entwicklungshelfer für WFTO-Africa (World Fair Trade Organization-Africa) tätig ist.

Der Kontakt zu den Webereien kam dann über den SES, den Senior Experten Service, der die Aus- und Weiterbildung in der Dritten Welt durch ehrenamtlich tätige Senior Experten fördert, zustande.

Die Teilnehmer lernten bei Schwierske das Rüstzeug, um später neue Produkte herstellen zu können. Es wurden Teppiche und kleinere Türmatten bis zu einer Breite von 1,50 Metern aus einheimischem, selbstgefärbten Sisal gewebt; außerdem aus Baumwolle Tischsets und die typischen Tücher, die gewickelt als Schal oder Rock getragen werden. »Die Webstühle waren aus Skandinavien, schlecht gewartet, verrostet und die Latten passten nicht zusammen«, so Schwierske. Aus einfachen Materialien wurden einfache Webstühle improvisiert. Die speziellen Kontermarschschnüre wurden aus dünnen Plastikschnüren oder auch Baumwollrestfäden verzopft.

Auch theoretisch wurden die Schüler in den Grundlagen des Webens unterrichtet. Kein einfaches Unterfangen. »Der Wissensstand war sehr unterschiedlich.« So sollten die Teilnehmer die technische Zeichnung der Weber, die Patrone, erlernen – doch das Zeichnen der für Außenstehende kompliziert aussehenden Muster erwies sich für viele als schwierig. »Am schönsten waren für mich die strahlenden Gesichter, wenn die technischen Zeichnungen richtig waren«, lacht Schwierske. So hielt der bekannte »Rosengang«, ein typisches Webmuster, Einzug in Tansania.

uschi-schwierske1Anschließend besuchte Schwierske die Teilnehmer in ihren Werkstätten in Dar es Salam und in der Stadt Moshe am Kilimandscharo, um zu sehen, wie die Weber selbstständig vorankamen. »Sie wollten unbedingt neue Produkte herstellen und waren gut in der Lage, Produkte nachzuweben und den Webstuhl einzurichten.« Die Schüler von Uschi Schwierske waren so gut, dass auf der Weihnachtsmesse die neuen Produkte sofort weggingen wie warme Semmeln. »Das ist natürlich ein schöner Erfolg. Die Teilnehmer waren so mit Eifer dabei, das macht einfach Spaß.« – Die nächste Reise ist schon geplant. Im Frühjahr geht es für Schwierske zurück nach Afrika.

[Nicole Lütke]

Noch keine Kommentare bis jetzt

Einen Kommentar schreiben