For Keerls un Deerns

„Swing up de Deel“ probierte die Wirkung von „Musik im Kurpark“

Open Air in jeder Form ist angesagt seit geraumer Zeit. Während man sich in der Landeshauptstadt vor großer Kulisse zur Aufführung von Puccinis „La Bohéme“ anschickt, wo die Leute ohne Karte auf den Wiesen rundherum lümmeln werden und wenigstens zu ihrem Hörerlebnis kommen, hat sich der rührige Bevenser Veranstaltungsleiter Gerd Kreutz Ähnliches für den Kurpark ausgedacht. Im August geht es los, dann werden an den Samstagen jeweils um 15 Uhr verschiedene Gruppen zwischen Sonnenfalle, Fontäne, Pergola und Wiese im Kurpark aufspielen. Der Unterschied zu Hannover: Der Eintritt ist frei und ob die Zuhörer auf den diversen Parkbänken Platz nehmen oder sich im Grase lagern, bleibt ihnen überlassen. Gegen Picknick-Decken und Körbe hat man auch nichts. So jedenfalls ist es angedacht.

Die zauberhafte Vorpremiere gestalteten Rika Tjakea und ihre Jungs von „Swing up de Deel“. Resümee: Es passte alles. Der Lichtdesigner, wie Rika Tjakea sagte, war teuer, machte seine Arbeit jedoch mit blauem Himmel, bestückt mit weißen Wolken hervorragend, der Ton zwischen gläserner und steinerner Wand klappte und die Stimmung war lässig gelassen. Rund 35 Besucher können es gewesen sein, die sich von der Musik, die durch den Park swingte, angezogen fühlten.

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Fotos: Barbara Kaiser

Rika Tjakea ist auf der Bühne ein Feuerwerk. Sie ist präsent, witzig und hat für jede Situation ein Wort. So händelt sie ihre „Keerls“ Andreas Hansen an der Gitarre, Jens Balzereit am Bass und Thomas Laukat an den Percussions. So erklärt sie ihrem Publikum – für die Auswärtigen auch mal auf Hochdeutsch – wie „Swing mit Swung up Platt“ funktioniert.

swing-up-de-deel1Mit dem Plattdeutschen ergeht es einem ja wie mit einem geliebten Menschen. Man wird ganz nachsichtig, denn in dieser Sprache macht auch das Gröbste lächeln und so richtig böse kann man damit gar nicht werden.
Das musikalische Quartett wischte kräftig Staub auf den altbekannten Liedern, so dass sie eine Offenbarung der eigenen Art waren. Swingend, rockig oder als Blues. „Bei mir biste scheen“ oder „Summertime und dat Leeven is scheen“ – so hätte es Gershwin auch gefallen - und natürlich die Geschichte von Lütt Matten, dem übermütig auf seinen Hinterbeinen tanzenden Hasen, der dem Fuchs vertraut. Mit fatalem Ergebnis wie wir wissen.
Es ist dieser Sound zwischen Sehnen und Vergewisserung, der plattdeutsche Lieder unverkennbar macht. Die fröhlichen wie die traurigen. Wunderbar. Anrührend.

swing-up-de-deel2Rika Tjakea besitzt eine schöne Stimme, die ein paar Oktaven schafft, ihre Begleiter sind passgenau und verraten die gediegenen Instrumentalisten auch in den Soli. Und so zog das Ensemble per Rock`n Roll  „de Elb-Ruut nach Süd“, erklang Frank Sinatras „Somethin` stupid“ als weibliche Erzählung über einen wunderschönen Abend, den „de Fru“ allerdings an die Wand fährt, weil sie partout „ich leiv dir“ sagen muss. Na, und für die „Mannslüt“ gab`s auch was: einen Tango über einen unentschlossenen, dussligen Kerl; und geschunkelt wurde! Zu Doris Days „Que sera“, was up Platt „Wat kümmt, dat kümmt“ lautet und eine Menge Optimismus strahlt.

swing-up-de-deel3Eine gelungene Vorpremiere also. Und weil`s so schön war, kommt Rika Tjakea  am 1. August 2015, um 15 Uhr, wieder. Am 8. August gibt es dann Soul, Jazz und Pop. Am 15. August karibische und lateinamerikanische Rhythmen. Am 22. August Swing und Bossa Nova. Am 3. September erklingen mit dem Duo „Feinslieb“ europäische Volkslieder zwischen Mittelalter, Renaissance und Barock. Alle Termine unter www.bad-bevensen-tourismus.de
Nicht vergessen also: Immer samstags im Kurpark.
Barbara Kaiser – 11. Juli 2015

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